Marktgebietszusammenlegung: Zahlreiche IT-Umsetzungsprojekte bei TSOs



Aufgrund der Änderung der Gasnetzzugangsverordnung im Sommer 2017 sind die Fernleitungsnetzbetreiber dazu verpflichtet, die beiden Marktgebiete GASPOOL und NetConnect Germany (NCG) zum 01.10.2021 zu einem gemeinsamen deutschlandweiten Marktgebiet, der Trading Hub Europe (THE), zusammenzulegen (§ 21, Abs. 1 der GasNZV). Folgerichtig arbeiten derzeit alle Gesellschafter der GASPOOL und der NCG mit Hochdruck an der Umsetzung der Marktgebietzusammenlegung. Auch das GAS-X Team der Sopra Steria unterstützt in verschiedenen IT-Umsetzungsprojekten, um das Steuerungsmodell der THE in die Prozesse der GAS-X Grid-Kunden zu überführen und die dortigen gaswirtschaftlichen IT-Systeme anzupassen.

 

Die wichtigsten Veränderungen:

  1. Einrichtung Steuerungstool

    Zur optimalen Steuerung des Marktgebiets errechnet das zentrale Marktgebietsfahrplantool der THE die optimalen Austauschleistungen zwischen den Netzbetreiberzonen und zur Engpassvermeidung notwendige Unterbrechungen, Regelenergieeinsätze, sowie Einsätze sogenannter MBI. Dazu müssen die Fernleitungsnetzbetreiber die Prozesse des Steuerungsmodells umsetzen, um zum einen Daten für die Berechnung zur Verfügung zu stellen und zum anderen die Steuerung ihrer Netzbetreiberzone nach dem Steuerungsmodell auszurichten.

  2. Anpassung VIP

    Neben einem neuen Steuerungsmodell bedarf es auch der Implementierung neuer Virtual Interconnection Points (VIP), die durch die Verschmelzung der Marktgebiete an den Grenzen entstehen. Hierbei stimmen die Fernleitungsnetzbetreiber ihre Prozesse untereinander ab, um die neuen VIP gemeinsam umzusetzen.

  3. Migration

    Für das konsolidierte Marktgebiet müssen die Fernleitungsnetzbetreiber jegliche Verwendung der Bilanzkreiscodes der Altmarktgebiete auf die neuen Bilanzkreise der THE migrieren.

  4. Harmonisierung

    Die marktgebietsbezogenen DZK-Steuerungsmodelle der Altmarktgebiete müssen harmonisiert werden. Dabei ist das Modell für GASPOOL ausschließlich in GAS-X Grid implementiert.

     

    Die größten Herausforderungen:

    Die Steuerungshoheit über die Gasnetze liegt dezentral bei den einzelnen Netzbetreibern. Weil die Versorgungssteuerung in Deutschland so ein hochkomplexer Prozess ist, ist es die Aufgabe des MGV die Übersicht über die Gesamtsituation im Marktgebiet zu behalten. Dafür sind unzählige Schnittstellen zwischen den jeweiligen Unternehmen notwendig. Daraus ergibt sich die größte technische Herausforderung die Prozesse, die heute nur für einen Teil Deutschlands durchgeführt werden müssen, nach der Zusammenlegung der Marktgebiete in der gleichen Zeit für ganz Deutschland durchzuführen - das kommt zahlenmäßig einer Verdoppelung gleich.

    Eine weitere große Herausforderung ist, dass die bisher implementierten VIP im Detail unterschiedlich in den heutigen Marktgebieten der GASPOOL und der NetConnect Germany umgesetzt sind und, dass auch die Prozesse des neuen Steuerungsmodells in den VIP-Prozessen berücksichtigt werden müssen.

     

    Die nächsten Schritte:

    Der nächste wichtige Meilenstein ist der Start des Parallelbetrieb des Marktgebiets THE. Ab dem 01.06.2021 wird das neue Marktgebietsfahrplantool mit den Daten der Fernleitungsnetzbetreiber (z.B. Netzbilanzen, Befüll- und Entleerpuffer der Netze) in Betrieb genommen. Im Verlauf des Parallelbetriebes werden außerdem Daten wie Kapazitätsgrenzen und Unterbrechungspotentiale gesendet, womit das Marktgebietsfahrplantool dann Unterbrechungsaufforderungen, Regelenergiebedarfe und MBI-Bedarfe zur Auflösung von Engpässen berechnet muss. Anfang August 2021 wird der Parallelbetrieb dann vollumfänglich stattfinden.